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2020 07 12 722066 original R K by Andreas Hermsdorf pixelio de

Meditation zum 15. Sonntag im Jahreskreis

Verschwenderisch

Andre­as Herms­dorf / pixelio​.de

Medi­ta­ti­ve Gedan­ken:
Also ehr­lich, schon ein biss­chen blöd die­ser Sämann, oder? Die gute Saat so unbe­son­nen her­ge­schenkt. Küm­mert es ihn nicht, wo es hin­fällt? War­um gibt sich der Sämann denn kei­ne Mühe und sät nur dort, wo die Saat auch Frucht trägt – hun­dert­fach, sech­zig­fach, drei­ßig­fach?

Viel­leicht haben sich das eini­ge Men­schen aus der Men­ge auch gefragt, als Jesus so vor ihnen gere­det hat. Ich zumin­dest fra­ge es mich. Doch dann klärt Jesus mich auf: Die Saat ist das Wort vom Reich Got­tes. Gut, aber ist das nicht trotz­dem ver­schwen­de­risch? Da zu ver­kün­den, wo es nicht gehört wird, also da zu säen, wo es nichts her­vor­bringt?

Ande­rer­seits ist das Wort von Got­tes Reich doch die Lie­be. Und in der Lie­be zu uns Men­schen kann Gott gar nicht ver­schwen­de­risch (genug) sein! Trotz­dem hade­re ich mit die­sem Gedan­ken, dass so viel von der Lie­be Got­tes ver­geb­lich sein soll, hin­weg geris­sen, wur­zel­los, erstickt.

Wenn ich so dar­über nach­den­ke, muss ich mich fra­gen, ob ich selbst guter Boden“ bin. Trägt das Wort Got­tes eigent­lich in mir Früch­te? Ich muss geste­hen, dass ich nicht behaup­ten kann, das Wort in sei­ner Gän­ze ver­stan­den zu haben. Vie­les schon, aber alles? — Sicher nicht. Und ich habe Zwei­fel. Nicht immer, nicht vie­le, aber sie sind da. Es gibt so eini­ge unlös­ba­re Fra­gen, die sich auch mit mei­nem Glau­ben nicht befrie­di­gend beant­wor­ten las­sen, und weil es kei­ne Wur­zel hat­te, ver­dorr­te es.“

Ehr­lich gesagt habe ich auch nicht dem Mate­ria­lis­mus unse­rer Welt abge­schwo­ren. Viel­leicht ist es bei mir nicht die sünd­haft teu­re Uhr oder der Shop­ping­trip nach Dubai, aber Hand aufs Herz: Ich kau­fe ger­ne Klei­dung mei­ner Lieb­lings­mar­ke und mein Smart­pho­ne ziert ein ange­bis­se­nes Stück Obst; und die Dor­nen wuch­sen empor und erstick­ten es.“ Jetzt bin ich plötz­lich dank­bar, dass der Sämann so groß­zü­gig sei­ne Saat aus­teilt, dass auch auf mein fel­si­ges, dor­nen­über­wu­cher­tes Feld die Lie­be Got­tes fällt. Ein Geschenk an mich, an dich, an uns.

Wenn ich also etwas tun will, dann muss ich bei mir anfan­gen, damit die­ses Geschenk auf guten Boden“ fällt. Das kann mir nie­mand abneh­men, und das kann ich nie­man­dem abneh­men. Und viel­leicht trägt es dann Früch­te – drei­ßig­fach, sech­zig­fach, hun­dert­fach.
Kor­du­la Mül­ler-Hes­se, Pas­to­ral­re­fe­ren­tin im Bis­tum Mainz