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2020 04 17 Meditation

Meditation zum Weißen Sonntag

Tränen und Liebe!

Foto: Ange­li­ka Kamlage

Das glaub ich nicht!” — Wer hat nicht sel­ber schon so reagiert auf außer­ge­wöhn­li­che Nach­rich­ten. Als ob der Zwei­fel und damit der Unglau­be die natür­li­che Reak­ti­on dar­auf wäre.

Dem Jesus­jün­ger Tho­mas wur­de der Zwei­fel qua­si zum Namens­be­stand­teil. Um ihn geht es im zwei­ten Teil der Peri­ko­pe. Zunächst geht es aber um jenes Ereig­nis, an dem der Jün­ger zwei­felt:
Zu den Jün­gern, die sich aus Angst vor Ver­fol­gung ver­steckt und ver­ram­melt haben, kommt Jesus, der Tot­ge­glaub­te. Das wird als Tat­sa­che geschil­dert — ohne Anklang an mys­te­riö­se Erschei­nun­gen. Der Frie­dens­gruß ist der bis heu­te gewöhn­li­che jüdi­sche Gruß: Shalom! Dass er dop­pelt, ja drei­fach ergeht, weist auf die Bedürf­tig­keit der angst­voll-ver­wirr­ten Jün­ger hin, aber auch dar­auf, dass Frie­den” für die Sen­dung der Jün­ger mehr ist als ein Gruß, näm­lich ihr inne­rer Kern. Mit den Wund­ma­len weist Jesus sich aus als der Gekreu­zig­te. Es ist der­sel­be, mit dem sie vor der Pas­si­on gelebt haben: Der Gekreu­zig­te ist der Auf­er­weck­te. Mit Geist­mit­tei­lung (Leben ein­hau­chen) und Sen­dung (der Auf­trag des Vaters gilt wei­ter) wei­chen Zwei­fel und Angst. Er ist es. Er wur­de vom Vater nicht im Stich gelas­sen. Er lebt.

Tho­mas war nicht dabei; er kann nicht glau­ben, was er hört. Er will sehen und füh­len. So wird er zum Pro­to­typ aller, die für ihren Glau­ben Bele­ge wol­len, am liebs­ten Wun­der. Tat­säch­lich erfah­ren wir gar nicht, ob Tho­mas wirk­lich sei­ne Hand in Jesu Wun­de gelegt hat. Auch nicht, ob das Sehen ihn zum eben­so plötz­li­chen wie unbe­ding­ten Got­tes­be­kennt­nis gebracht hat oder — wahr­schein­li­cher — die Begeg­nung mit dem Auf­er­weck­ten sel­ber. Denn wie­der bril­liert Jesus mit Her­zens­kennt­nis, mit Tie­fen­blick.

Tho­mas steht allen Nach­ge­bo­re­nen nahe, die für ihren Glau­ben an den leben­di­gen Jesus Chris­tus auf den Glau­ben der Zeu­gen vom Anfang ver­wie­sen sind. Die Erfah­rung der Zeu­gen mit Jesus — vor und nach Ostern — steht am Anfang des Glau­bens aller, die Jesus nicht sel­ber erlebt haben.

Weil Tho­mas aber als Weg­ge­fähr­te den irdi­schen Jesus kann­te, endet die­ser Abschnitt mit einem Tadel für den Jün­ger und mit einer Selig­prei­sung für alle, die in Zukunft zum Glau­ben gelan­gen, ohne sehen zu kön­nen.

Inso­fern kann sich nach die­sem Her­ren­wort die in man­chen Krei­sen ver­brei­te­te Gier nach Wun­dern kaum auf Jesus beru­fen. Ostern ist nicht zu über­bie­ten.

Bern­hard Riedl
theo­lo­gi­scher Refe­rent im Refe­rat Dia­log und Ver­kün­di­gung im Erz­bi­schöf­li­chen Gene­ral­vi­ka­ri­at Köln