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2020 05 17 Angelika Kamlage

Meditation zum 6. Sonntag der Osterzeit

Wenn ihr mich liebt

Foto: Ange­li­ka Kamlage

Zu aller­erst ist es ein Bezie­hungs­ge­sche­hen: Wenn ihr mich liebt.“ Das ken­nen wir. Was danach kommt, ist eben­falls bekannt, denn unwei­ger­lich folgt auf den Bedin­gungs­satz die Fol­ge­rung. Genau hier ent­schei­det sich im Zwi­schen­mensch­li­chen, ob es sich um eine Aus­sa­ge mit oder ohne Hin­ter­ge­dan­ken han­delt. Wenn du mich liebst, dann …“ Vom Hei­rats­an­trag bis hin zu sub­ti­ler Erpres­sung sind viel­schich­ti­ge Varia­tio­nen die­ser Satz­fol­ge denk­bar.

Gleich stürzt sich die inne­re Zen­sur auf die­se Über­le­gung. Darf man so über eine Aus­sa­ge Jesu nach­den­ken? Lässt sich das mit zwi­schen­mensch­li­chen Kate­go­rien über­haupt ein­fan­gen? Der Ver­stand sagt: ande­re haben wir nicht. Das weiß auch Jesus, wenn er das mensch­li­che Bild von den Wai­sen her­an­zieht, Inbe­griff des Ver­las­sen seins. So sol­len wir nicht sein und blei­ben, wenn er zum Vater geht.

Und den­noch über­steigt die Ankün­di­gung Jesu mein Ver­ste­hen. Da wird etwas von sei­nem Vater, unse­rem Vater, aus­ge­hen; ein Bei­stand, der Gemein­schaft stif­tet, wie die Welt sie nicht kennt. Irri­tie­rend ist die kla­re Abgren­zung der bei­den Berei­che: dort die Welt, die den Sohn nicht sehen noch den Geist emp­fan­gen kann, hier die Jün­ger Jesu. Hof­fent­lich auch wir. Und eigent­lich ist es der wie­der­keh­ren­de Sohn, der bei uns, den Jün­gern bleibt, uns nicht ver­lässt. Wie das alles zusam­men­den­ken? Daher doch noch ein­mal zurück zum Noten­schlüs­sel des ers­ten Sat­zes: Es ist etwas Nüch­ter­nes gemeint, kein Gefühls­ki­no, kei­ne über­bor­den­den Emo­tio­nen: Wer liebt, der han­delt ent­spre­chend. Das ist Jesu For­de­rung. In Details ver­liert er sich nicht, es geht ums Gan­ze.

Etwas durch­tra­gen, ver­läss­lich zu sei­nem Wort ste­hen, dafür sor­gen, dass es dem ande­ren gut geht – das muss nicht immer von gro­ßen Emo­tio­nen beglei­tet sein, das kann sehr all­täg­lich, das kann müh­sam sein. Jeden Tag das Essen kochen, jeden Tag den kran­ken Ange­hö­ri­gen ver­sor­gen, Woche um Woche den anstren­gen­den Kol­le­gen ertra­gen, Monat um Monat die­sen Besuch machen, der so ersehnt wird. Das ist Lie­be. Meint Jesus. Und genau dann nimmt er uns hin­ein in sei­ne eige­ne Lie­be zum Vater, das Band, das der Hei­li­ge Geist knüpft.